lilypond - Eine kurze Einleitung
lilypond ist ein frei verfügbares Programm zur Erstellung von Musiknoten (lilypond im Web). Gemäß des Eigenlobs der Entwickler wurde es mit dem Ziel entwickelt, Notensatz zu erzeugen, der sich auf einem Niveau bewegt, wie man es von früher gewohnt war. "Früher" als Notensatz noch eine Handwerkskunst war. Aus meiner Sicht - freilich die Sicht von jemandem, der keine Ahnung hat - ist dieser Anspruch tatsächlich erfüllt. Nimmt man aktuelle, kommerziell erhältliche Noten zur Hand, dann sieht man ihnen den Umstand, dass sie vermutlich auf einem Computer gesetzt wurden, auf den ersten Blick an. Mit lilypond erstellte Noten sehen definitv besser aus!
Das Problem mit lilypond ist allerdings, dass es zumindest für Anfänger nicht ganz einfach zu benutzen ist. Die im Web verfügbare Dokumentation ist sehr, sehr ausführlich und liefert auf viele Fragen Antworten. Für mich persönlich war die Lernkurve allerdings anfangs sehr steil. Entsprechend kam bei mir irgendwann der Wunsch auf, einmal ein komplexeres Beispiel so weit als mir möglich fehlerfrei umzusetzen, um damit über eine Vorlage zu verfügen, auf die ich später als Referenz zurückgreifen kann.
Warum selber Noten setzen?
Wozu soll man überhaupt selber Noten setzen? Bin ich etwa ein Komponist oder Arrangeur? Natürlich nicht. Es gibt aber immer wieder Situationen, wo eine eigenständige Reproduktion von Noten interessant sein kann:
- Sie wollen aus unterschiedlichen Quellen ein einfaches Liederbuch erstellen, beispielsweise für einen Hochzeitsgottesdienst. Das sieht meist "zusammenkopiert" aus und ist - nebenbei bemerkt - oft nicht legal ist: Musik unterliegt dem Urheberrecht. Daher ist Kopieren in vielen Fällen nicht legal, nicht einmal zum Eigengebrauch. Kann man Noten selber schreiben, sehen alle Lieder einheitlich und ordentlich aus. Und noch besser: Es gibt ein Addon für LibreOffice, mit dessen Hilfe man Noten sogar als editierbares Objekt in ein Office-Dokument einbinden kann.
- Wenn das leidige Umblättern nicht wäre: Vor dreißig Jahre konnte ich noch alle drei Gewinnsätze der Mondscheinsonate auswendig spielen (um dann 0:3 zu unterliegen). Das macht mein Gedächtnis schon lange nicht mehr mit, vielleicht habe ich auch einfach nicht mehr genug Zeit zum Üben. Also braucht man beim Spielen die Noten direkt vor der Nase und irgendwann kommt der Moment, an dem man umblättern muss, und es ist immer ein unpassender Moment! Zum Glück sind viele Klavierstücke nur wenige Seiten lang, so das man die einzelnen Blätter mit Tesakrepp zusammenkleben kann. Aber kopieren sie mal Noten auf dem Fotokopierer! Die Heftung verursacht meist verbogene Notenzeilen. Sie können das Buch fester auf den Kopierer pressen, aber dann bricht womöglich die Heftung. Auch hier geht Kodieren über Kopieren.
- Sie wollen nur den Klaviersatz. Singstimme, Text oder andere Instrumente brauchen sie nicht und sie verschlingen einfach nur Platz auf dem gekauften Notenblatt. Komprimieren sie den ganzen Kram einfach auf das notwendige Minimum indem sie unnötige Notensysteme einfach weglassen.
Verwendete Software
Wir werden nur wenige Programme benötigen:
- lilypond: Das eigentliche Notensatzprogramm
- frescobaldi: Ein Editor, der den Ungang mit lilypond Daten im Vergleich zu einem einfachen Texteditor erheblich erleichtert. Beispielsweise ist es sehr praktisch, eine Note im Vorschaufenster anzucklicken und dadurch direkt an die entsprechende Stelle im Quelltext zu springen.
Wer irgendein Linux verwendet, kann vermutlich beide Programme über die Paketverwaltung seiner Distribution installieren. Nutzer anderer Betriebssysteme können sich die Installationsprogramme von den folgenden Webseiten herunterladen:
- http://lilypond.org/
- https://www.frescobaldi.org/
- Praktisch zum Probehören der (meist nebenbei mitabfallenden) MIDI-Dateien ist vielleicht noch ein Sequenzer-Programm, etwa timidity (unter Kubuntu).
Das Beispiel
Als Beispiel verwende ich im folgenden eine älteres Lied, das wohl jeder kennen dürfte, der den Film "Das Boot" (den von 1981, nicht die unnötige Fortsetzung von 2017) gesehen hat: "Das Geistige kommt hier zu kurz". Das Stück beinhaltet einen recht breiten Querschnitt durch die Probleme, die in meinen Musikprojekten vorkommen. Und ich habe diesen alten Titel auch deshalb gewählt, weil er mittlerweile gemeinfrei ist. Das Urheberrecht stellt Werke
- in Firmenbesitz für 95 Jahre unter Schutz. Abgelaufen: Copyright 1912 by B. Feldmann & Co, London (laut vorliegendem Notenblatt)
- für 70 Jahre bis nach dem Tod des Autors unter Schutz. Abgelaufen: Jack Judge, gest. 1938 und Harry Williams gest. 1924 (Daten aus wikipedia)
Während Kopieren von Noten in Deutschland grundsätzlich verboten ist, darf man sie sehr wohl abschreiben, egal mit welchem Mittel, also auch mit PC, womit mein Unterfangen auch rechtlich zulässig wäre, wenn der Urheberrechtschutz noch bestehen würde. Nur: Das Abschreibeergebnis darf wiederum nur mit den gleichen Mitteln weitergegeben werden, also durch Abschreiben. Für einen Artikel im Internet wäre das ein echtes Hindernis, denn Downloaden ist kopieren.
Übrigens: Den originalen Notensatz findet man recht leicht im Internet. Suchen sie einfach mit der Suchmaschine ihrer Wahl nach tipperary song score.
Weiter zum zweiten Teil: Das Grundgerüst einer lilypond-Datei