Das Grundgerüst einer lilypond-Datei

Als Erstes legen wir ein Grundgerüst eines lilypond-Quelltextes an. Das Grundgerüst ist wirklich sehr "grund" und zunächst mit viel Formalismus aber nur sehr wenig Inhalt versehen. Wir werden es in mehreren Schritten nach und nach erweitern, bis alles drin ist, was man braucht, um aus einem leeren Notenblatt einen vollständigen Klavierauszug zu erstellen. Zum Nachvollziehen des Beispiels können sie den Quelltext im Kasten ansehen, die wichtigen, im Text beschriebenen Stellen, sind gelb hinterlegt. Sie können den Quelltext auch herunterladen, um damit herumzuspielen. Oder sie schauen sich das übersetzte Notenblatt als pdf an.

Was gibt es zu sehen?

\version
Die Datei enthält zunächst einmal eine Versionskennung. Das Dateiformat von lilypond kann sich in der Zukunft möglicherweise ändern. Anhand der Kennung wissen sie und lilypond woran sie sind.
\header-Bereich
Innerhalb dieses Bereichs kann man diverse Dinge festlegen, beispielsweise den Drucktitel. Es gibt natürlich noch viel mehr Optionen als den Titel des Stücks. Die herauszufinden ist etwas für eigene Nachforschungen in der offiziellen Dokumentation.
\book
Ziel der ganzen Notensetzerei ist die Erzeugung eines Buches (oder mehrer Bücher), die jeweils den Notensatz eines Liedes (oder mehrere Lieder) enthält. Wir beschränken uns zunächst auf ein einzige Buch mit genau einem Lied.
\paper
Hier definieren wir später das Ausgabeformat, z.B. DIN A4 oder die maximale Seitenzahl.
\score
Erstellt das Notensystem eines Liedes der Noten wie auch der Midi-Daten wird durch die Abschnitte. Der Score kann eine oder mehrere Notenzeilen für Gesang, linke und rechte Hand, Gitarrenakkorde und Text beinhalten. Die müssen aber erst noch definiert werden.
\new Staff
Damit legen wir konkret eine einzelne Notenzeile an.
\new Voice
Eine Notenzeile benötigt Inhalt. Dieser wird innerhalb einer Voice eingegeben. Man kann durchaus mehrere Stimmen in eine Notenzeile quetschen.
\relative c''
Mit \relative c'' legen wir fest, dass die Tonhöhen nicht als Absolutwerte eingeben werden. Bei absolut eingegebenen Noten muss bei jeder einzelnen Note die Oktave mit Apostrophen oder Kommata spezifiziert werden. Bei relativ angegebenen Noten kann man sich das meist sparen. Mit dem Kommando legen wir außerdem noch den Bezugspunkt für die allererste Note fest.
c
Der Inhalt unseres Liedes ist etwas minimalistisch. Weil es eine Fehlermeldung gibt, wenn wirklich gar keine Note eingegeben wird, definieren wir wenigstens einen einzelnen Ton, ein "c".
\layout
Im Layout können eine Vielzahl von Definitionen untergebracht werden, die das Aussehen des Notensatzes beeinflussen (Schriftgröße usw.)
\midi (nicht im Text suchen, das kommt hier gar nicht vor)
Analog zur \layout kann man innerhalb eines \score auch die Erzeugung einer midi-Datei anstossen. Wir werden aber im letzten Teil sehen, dass die Notensysteme für Druck und Midi manchmal unterschiedlich aufgebaut werden müssen. Deswegen habe ich \midi hier weggelassen.

Downloads: Quelltext - PDF-Datei

\version "2.24.4"

\header {
  title = "It’s a long, long way to Tipperary"
}

\book {
  \paper {
  }
  \score {
    \new Staff {
      \new Voice {
        \relative c'' {
          c
        }
      }
    }
    \layout {
    }
  }
}

Fangen wir damit an, diesen einfachen lilypond-Quelltext umzuarbeiten, damit er flexibler nutzbar ist. Stellen sie sich vor, wir würden die Gesangsstimme die momentan nur aus einer einzelnen Note besteht, mit vielleicht 100 Takten auszuarbeiten und dann noch Klaviernoten für linke und rechte Hand nebst Inhalt zu ergänzen (jeweils weitere 100 Takte), wird es sehr unübersichtlich im \score. Wir gliedern daher den eigentliche Inhalt des Gesangsstimme aus. Wir definieren dazu eine Variable singer.
Kleiner Hinweis: Bei der Definition einer Variablen schreibt man einfach den Namen. Will man aber auf den Inhalt der Variablen zugreifen, schreibt man davor immer einen umgekehrten Schrägstrich.

Downloads: Quelltext - PDF-Datei

\version "2.24.4"

\header {
  title = "It’s a long, long way to Tipperary"
}

singer = \relative c'' {
  c
}

\book {
  \paper {
  }
  \score {
    \new Staff {
      \new Voice { \singer }
    }
    \layout {
    }
  }
}

Zurück zum zweiten Teil: Eine kurze Einleitung

Weiter geht es im dritten Teil: Notensysteme anlegen